Nachschau: Navid Kermani zu Besuch am EGB (Oktober 2018)

So gut wie jeder in Deutschland kennt ihn: Dr. Navid Kermani, geboren 1967 in Siegen, lebt als freier Schriftsteller in Köln. Er ist habilitierter Orientalist und Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie des 1. FC Köln. Zurzeit lehrt er als Gastprofessor an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Zusammen mit Guy Helminger ist er zudem seit 2006 Gastgeber des Literarischen Salons im Kölner Stadtgarten.

Navid Kermani ist vielfacher Preisträger. Unter anderem wurde seine Rede im Bundestag zum 65. Jahrestag der Verkündung des Grundgesetzes (2014) von der Universität Tübingen zur Rede des Jahres gewählt. 2015 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Dieser Navid Kermani sagte zu, uns am EGB zu besuchen.

N. Kermani am EGB

Am 9. Oktober 2018 um 9:50 Uhr war es schließlich soweit: Herr Dr. Kermani wurde zunächst von Herrn Dr. Wohlgemuth am EGB Köln begrüßt und von Frau Siedentopf kurz eingeführt. Dann stellten ihn die Schülersprecher dem Plenum aus gut 300 Schülerinnen und Schülern aus Wirtschaftsgymnasium, Fachoberschule und den Oberstufen der Höheren Berufsfachschule vor. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich im Unterricht intensiv auf den Besuch vorbereitet, und so lauschten alle aufmerksam, als er über seine Beobachtungen, Erlebnisse und daraus folgenden Einschätzungen zu Afghanistan, Syrien und dem Irak berichtete.

Der sehr konkrete und ergreifende Vortrag kann an dieser Stelle nicht komplett wiedergeben werden. Deshalb möchte ich an dieser Stelle auf die vielen im Internet zu findenden Beiträge und Bücher von Navid Kermani verweisen. Nur ein besonders eindringliches Erlebnis von Navid Kermani soll an dieser Stelle erwähnt werden. So berichtete er über die Erschießung von Patienten in Krankenhäusern. „An drei der Rückenlehnen, genau in Höhe der Köpfe, befinden sich die Einschusslöcher von zahlreichen Kugeln, die durch das Bettgestell gingen und in der Wand steckengeblieben sind, sowohl von Pistolen als auch von Gewehren, Kalaschnikows, um genau zu sein. Unter den Betten, ebenfalls in Kopfhöhe, sind die Blutlachen getrocknet.“

Navid Kermani beantwortete eine ganze Reihe von Fragen der Schülerinnen und Schüler. Die Nachfrage einer Schülerin, ob Navid Kermani die Schuld für verschiedene Terroranschläge im Islam sehe, beantwortete Navid Kermani dahingehend, dass man nicht generell eine Nation bzw. eine Religion für ein Geschehen verantwortlich machen kann. Allerdings hätte der Islam schon etwas mit den Anschlägen zu tun. Er verglich die Situation mit dem Nationalsozialismus. Auch hier könne man nicht sagen, dass generell alle Deutschen Nationalsozialisten sind. Aber man könne schon sagen, dass der Nationalsozialismus etwas mit Deutschland zu habe.

Wie gut ein Großteil der Schülerschaft die Erläuterungen verstand und auch teilte, konnte man an dem ungeduldigen Raunen der Schülerinnen und Schüler erkennen, als die Nachfrage nach der Schuld des Islam an den Terroranschlägen ein zweites Mal gestellt wurde.

Zentral war Navid Kermanis Aussage „sucht nicht immer danach, was andere Länder und Menschen falsch gemacht haben, sondern fangt bei euch selbst an“!  

Insgesamt waren alle Schülerinnen und Schüler sehr interessiert und aufmerksam. Viele hätten gerne über die zur Verfügung stehende Zeit hinaus noch mehr von Navid Kermani gehört.

Vielleicht haben wir das Glück, dass Herr Dr. Kermani unsere Schule ein zweites Mal besucht?

Barbara Siedentopf und Renate Jenster

Unsere Partner und Sponsoren

Impressum/Datenschutz