Distanzunterricht am EGB Köln

Die Schule und das Flex-School-Konzept

Das Erich-Gutenberg-Berufskolleg (EGB) ist eine Schule, in städtischer Trägerschaft im Osten von Köln, die aufgrund ihrer räumlich benachteiligten Lage und einer vielschichtig zusammengesetzten Schülerschaft mit besonderen Herausforderungen konfrontiert ist, und zugleich ihre kaufmännische Ausrichtung in Hinblick auf die Vermittlung sowohl fachlicher als auch zukünftig immer bedeutsamer werdender überfachlicher Kompetenzen annimmt.
Mit Zustimmung der Bezirksregierung Köln führen wir bereits seit Dezember 2016 den beantragten Modellversuch school@home, Schule im Distanzunterricht, im IT-Bildungsgang durch.
Die grundsätzliche Idee des Modellversuchs bestand darin, den Unterricht alle 6-8 Wochen für einen Tag in den Ausbildungsbetrieb oder die Wohnung der Auszubildenden zu verlagern. Eine Konzepterweiterung von school@home sieht vor, längerfristig erkrankten Schülern die Möglichkeit zu eröffnen, freiwillig und ohne Benotung von zu Hause oder dem Krankenhaus aus am Unterricht teilzunehmen.
Aufgrund der Tatsache, dass viele Auszubildende eine weite Anfahrt zu unserer Schule haben, würden sich aus dem Modellversuch auch viele ökonomische und ökologische Vorteile für alle Beteiligten ergeben.
Technische Voraussetzung für die Durchführung des Distanzunterrichtes ist unser Basiskonzept BYOD und unsere Lernplattform Office 365.

Schule während der Corona Pandemie

Durch unsere Vorkenntnisse im Bereich Distanzunterricht konnten wir uns in bestimmten Bildungsgängen schnell auf das Flex School Konzept einstellen. Die Grundlage in Form von Lernplattformen war bereits gegeben, sodass es keinen großen Zeit- und Lernverlust gab. 
Wir sind eine der wenigen Schulen in NRW die digital so gut aufgestellt sind, dass unsere Schüler vom Konzept des Distanzunterrichts profitieren können.
Mit Stolz können wir sagen, dass unsere Schüler*innen in Zeiten von Corona durch unser Flex-School-Konzept keinen, oder nur sehr wenig Unterrichtsausfall hatten.
Wir sind davon überzeugt, dass das Flex-School-Konzept nach der Pandemie aufrechterhalten und sogar weiter ausgebaut werden sollte, um auch hier dafür zu sorgen, dass unsere Schüler*innen weitere Kompetenzen aufbauen, die über die fachliche Komponente hinaus gehen. 

Die Idee des Distanzunterrichts

Die Unmöglichkeit, ins Klassenzimmer zurückzukehren, hat zur Entwicklung des Flex School Konzeptes "school@home" geführt, dem so genannten Distanzunterricht.
Im Gegensatz zum Präsenzunterricht, bei dem die Schüler persönlich in die Schule kommen, um den Unterricht zu absolvieren, können sich die Schüler bei dieser neuen Form des Online-Unterrichts virtuell mit ihrer Klasse verbinden und den Unterricht live verfolgen.
Die Möglichkeit für die Schüler, sich ausschließlich auf den Unterricht zu konzentrieren und Input von außen zu vermeiden, sowie die Möglichkeit, Zuweisungen und Gruppen zu erstellen, wird einfacher und schneller. Dies ermöglicht eine bessere Verwaltung des Unterrichts und seiner Zeitplanung. Dies lässt dem Schüler mehr Freiheit, die durch dieses System "Flex School" genannt wird. Er lernt nicht nur, die Aufgaben zu erledigen, sondern sie in Gruppen und nicht mehr als Einzelperson zu organisieren und zu teilen.
Unsere Schule, wie auch andere Schulen in NRW, haben neue Infrastrukturen eingeführt, um den Bedürfnissen der Schüler*innen gerecht zu werden, indem sie Software (wie z.B. Teams, microsoft office usw.) verwenden, die das Einfügen in diese neue Methode des interaktiven Lernens erleichtern.
 
Interview mit dem Bildungsgangleiter Herr Seifert

Hatten Sie vorher bereits Erfahrung in School@home?

"Das Projekt gibt es seit dem Schuljahr 2013/14 im IT-Bereich und ich habe das erste Mal 2016 als Klassenlehrer mit meiner damaligen Büromanagement-Klasse in Form von Projekttagen teilgenommen. In den Folgejahren haben wir dies regelmäßig in allen BYOD-Klassen und dann auch im Bildungsgang E-Commerce-Kauffleute in Projektform weitergeführt. Seit dem ersten Lockdown im März 2016 haben wir dann den Stundenplan komplett online im school@home-Konzept unterrichtet." 

Welche Schwierigkeiten haben Sie festgestellt?

"Ja klar, gerade am Anfang gab es auch Probleme, aber eigentlich von Beginn an überraschend wenige. Dadurch, dass wir dies mit unseren Klassen vorab testen und auch sonst sehr digital arbeiten, war das alles sehr schnell abzufedern. Wenn wir drauf schauen, gab und gibt es auch immer mal wieder kleinere technische Probleme bei der Einwahl oder mit der Verbindung. Das ist aber alles absolut beherrschbar. Auch ist es aus Lehrendensicht herausfordernd, alle Kommunikationskanäle (Video/Audio/Chat/E-Mail) im Blick zu behalten."

Was für Vorteile sehen Sie in School@home?

"Webcalls und Videokonferenzen in größeren Gruppen durchzuführen, zu moderieren und zu präsentieren sind Basicskills für unsere Auszubildenden heutzutage. Darüberhinaus ist häufig auch ungestörteres Arbeiten – im Vergleich zu den Räumlichkeiten in der Schule – möglich. Wegezeiten fallen weg, kurze Abstimmungen und auch persönliche Gespräche mit Schülerinnen und Schülern sind häufig online einfacher möglich als in der Schule. Insgesamt fördern wir hier ganz stark neben selbstgesteuertem Lernen und projektorientiertem Arbeiten viele für unsere Auszubildenen wichtige Kompetenzen."

Hat sich Ihr Beruf durch School@home verändert?

"Durch School@home nur mittelbar, aber es war unsere Antwort auf Corona. Wir wollen vor allen Dingen unseren Schülerinnen und Schülern auf jeden Fall möglichst viel Struktur und Halt in diesen Zeiten geben. Von daher hat sich die Art und Weise verändert, wie wir unterrichten, aber nicht der Zeitumfang.

Grundsätzlich war ich in der Lage auch von unterschiedlichen Orten zu unterrichten und mit Kolleginnen und Kollegen zusammenzuarbeiten. Übergaben und Übergänge in der Staffel klappten besser, Kollegen konnten sich dazuschalten und dann "nahtlos" übernehmen. Auch unser wöchentlicher Team-Jour Fixe im Bildungsgang E-Commerce war einfacher durchzuführen. Dies hat schon eine gewisse Flexibilisierung mit sich gebracht, die ich gerne beibehalten würde."

Sollte Ihrer Meinung nach School@home weiter geführt werden, wenn ja, in welchem Ausmaß?

"Ja, auf jeden Fall. Es ist wichtig für die Kompetenzentwicklung unser Schülerinnen und Schüler. Darüberhinaus ist school@home ein Bauteil unseres Flex-School-Konzeptes: Dieses Konzept bedeutet, zusammengefasst, je nach unterrichtlichen Erfordernissen zwischen Online- und Präsenzunterricht zu wechseln. Das ist für mich die Zukunft und wird in den kommenden Jahren die Bildungsgangarbeit und Schulentwicklung jenseits der Beriffe Distance learning, Blended learning und Flipped Classroom bestimmen. Darüberhinaus müssen wir aus den zahlreichen Evaluationen auch Antworten finden, warum Schule mit persönlichem Zusammenkommen und im Klassenraum sinnvoll und wichtig für unsere Schülerinnen und Schüler ist."

Distanzunterricht aus Sicht der Lehrer: Vor- & Nachteile

Am EGB wurde eine Umfrage, im Bildungsgang E-Commerce mit den entsprechenden Lehrer*innen durchgeführt.

Beteiligt waren acht Lehrer.

Es wurden Fragen zu verschiedenen Themen gestellt, unter anderem zu folgenden Themen:

  • Vergleich der Arbeitsplätze: Zuhause vs. Schule
  • Was gut geklappt hat und wo es Probleme beim Distanzunterricht gab
  • Verbesserungs- bzw. Änderungsvorschlage
  • Wie sich school@home auf die Kompetenzen auswirkt
  • schließlich auch, ob der Distanzunterricht nach Corona beibehalten werden sollte
  • Bewertung von Distanzunterricht 

Gemeinsame Aussagen zum Distanzunterricht waren, dass die Arbeitsplätze sehr unterschiedlich sind und beide sowohl ihre Vor- und Nachteile haben. Genauso, dass es zu Beginn schwierig war, die Kontrolle der Schüler*innen abzugeben und mehr auf die Ergebnisse zu achten.

Ebenso gab auch Verbesserungsvorschläge, wie man den Distanzunterricht verbessern könnte.

  • Klärungen in Einzelkonferenzen müssen besser gepolt werden und ggf. Zeitvorgaben einhalten
  • Mehr Feedback von den Schüler*innen erhalten
  • Konzeptausbau der Bewegten Pause zur Bewegten Stunde
  • Gemeinsame Absprachen und Stundenübergabe sollten in den Schulalltag übernommen werden 
Die Lehrer*innen wurden auch dazu befragt wie sich der Distanzunterricht auf die Zusammenarbeit im Team ausgewirkt hat.
Hier die Ergebnisse
  • Größerer Bedarf an Abstimmungen
  • Mehr Einsichtnahme in Stunden der anderen (z.B mit OneNote)
  • Intensiverer Austausch zwischen den Lehrer*innen
  • Engere Zusammenarbeit
  • Aufgabenstellung wurde detaillier

 

Distanzunterricht aus Sicht der Schüler: Vor- & Nachteile:

An der Umfrage zum Distanzunterricht haben 1101 Schüler teilgenommen. Diese stammten aus sämtlichen Bildungsgangangeboten des EGB.

Distanzunterricht im Flex-School-Konzept - ist es etwas für die Zukunft?

Obwohl das Distanzlernen zu Beginn für alle eine Herausforderung war und es ein paar Nachteile hat, haben sich alle gut mit dem Konzept “angefreundet” und finden, dass auch nach Corona das Flex-School-Konzept aufrechterhalten werden sollte.
Dies kann Kompetenzen in verschiedenen Bereichen fördern, unter anderem die Selbstorganisation und Eigenverantwortlichkeit der Schüler.
Ziel ist es nach Corona die Komponenten Präsenzunterricht und Distanzunterricht sinnvoll mit einander zu verknüpfen. Auch um auf äußere Faktoren eingehen zu können, ohne, dass Unterricht dafür ausfallen muss und den Lerneffekt den Distanzunterricht hat, positiv für den Ausbau der Kompetenzen zu nutzen. Selbstverständlich angepasst an die Lernsituation.
Während der Pandemie wurden viele Erfahrungen mit dem Flex-School-Konzept gesammelt, die uns und unseren Schüler*innen weiter helfen.
Einige Aspekte wurden angesprochen, die auch in den regulären Schulalltag übernommen werden sollten, z.B. die Absprachen zwischen den Lehrer*innen sollte weiterhin, so eng verknüpft, bestehen bleiben.

Tags: Kaufleute im E-Commerce, EGB-Digital, School@home, Distanzunterricht, Flex-School-Konzept

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