Menschenbild

Die pädagogische und die didaktisch-methodische Arbeit am EGB fußt auf einem Bild vom Menschen, der sich lebenslang durch Teilnahme und Teilhabe sinnsetzend entwickelt.[1]

„Der Mensch ist Körper-Seele-Geist-Subjekt in einem sozialen und ökologischen Umfeld. Aus der Interaktion mit diesem gewinnt er seine Hominität und Identität …. Weil der Mensch in einem konkreten historischen, ökologischen und politischen Kontext/Kontinuum steht, er in die Textur seiner Lebens- und Sozialwelt eingewoben ist, ist er wesensmäßig ein Bezogener (Tamboer 1991)…. Der Mensch existiert nicht in der Welt wie ein Fremder in einem unbe­kannten Land, er existiert mit der Welt und auf sie hin.“ [2]

Dieses Grundverständnis von Existenz als Ko-existenz, die sich wesentlich über Ko-respondenz entwickelt korrespondiert mit einer Vorstellung von sich lebenslang entwickelnder Identität durch ein ständiges Bewerten und Übernehmen oder Zurückweisen von Selbstwahrnehmung[3] und fremder Wahrnehmung aus der Umwelt[4].

Dabei wird die menschliche Persönlichkeit, die Identität des Menschen, von fünf wichtigen Bereichen be­stimmt:[5]

  1. Leib / Leiblichkeit
  2. soziales Netzwerk / soziale Bezüge
  3. Arbeit und Leistung
  4. materielle Sicherheit[6]
  5. Werte

Die im EGB-Schulprogramm[7] verankerten vier vier profilgebenden Schwerpunkte des EGB, auf die sich für uns „Gelingende Beruflichkeit“ stützt, sind keine zufälligen oder beliebigen Akzentuierungen, sondern leiten sich wesentlich auch aus diesem zugrundeliegenden Menschenbild ab.

Hierbei vermag die Arbeit an Schule allgemein und an einem kaufmännisch-verwaltenden Berufskolleg im Besonderen die identitätsstiftenden Säulen sicherlich unterschiedlich zu stärken, allein schon insofern der Bereich „Arbeit und Leistung“ für die Aufgabenstellungen der Berufskollegs per definitionem im Vordergrund steht.

  • Die Hinführung zu einer beruflichen Tätigkeit als Grundlage für eine tragfähige, eigenverantwortliche Lebensgestaltung befördert ganz wesentlich die Säulen "Arbeit und Leistung" und "materielle Sicherheit".
  • Die Hinführung zu überfachlichen beruflichen Kompetenzen unterstützt Identitätsentwicklung über die Säulen "soziales Netzwerk" und "Werte", ist zudem ebenfalls wesentlich für die Stärkung der Säulen "Arbeit und Leistung" und "materielle Sicherheit".
  • Die Hinführung zum kompetenten Umgang mit digitalen Medien zielt vor allem auf die Identitätsentfaltung im Bereich der Säulen "soziales Netzwerk" und "Arbeit und Leistung".
  • Die Hinführung zur Verantwortungsübernahme für das eigene körperliche, geistige, psychische und soziale Wohlbefinden ist zentral für eine starke Ausbildung der Säule „Leiblichkeit“.


[1] in Orientierung am Konzept der Integrativen Therapie nach Hilarion Petzold und am autopoietischen Ansatz von Gerald Hüther (u.a. Hüther, G.: Was wir sind und was wir sein könnten. Ein neurobiologischer Mutmacher, 9. Aufl. Frankfurt 2012)

[2] siehe Petzold, H.G.: Das Ko-respondenzmodell als Grundlage der Integrativen Therapie und Agogik (Überarb. von 1978), in: Petzold, H.G. Integrative Therapie, II/1, Paderborn 1993, S. 19-31

[3] = Identifikation: „Wie sehe ich mich selbst?“

[4] = Identifizierung: „Wie werde ich von meinen Mitmenschen gesehen?“

[5] vgl. Rahm, D. u.a.: Einführung in die Integrative Therapie, Paderborn 1993, S. 154-156

[6] Petzold trifft hier bewusst und sinnvoll eine Unterscheidung zwischen der „materiellen Absicherung“ einerseits und der identitätsstiftenden Wirksamkeit von „Arbeiten und Leisten“ andererseits.

[7] siehe „Schulprofil“ und „Profilbildende Herausforderungen (bildungsgangübergreifend)“ im Schulprogramm des EGB

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